TWI Training within Industry


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TWI – Training Within Industry – sinngemäß auf Deutsch übersetzt “Schulung in Industrieunternehmen” war und ist eines der weltweit erfolgreichsten Trainingsprogramme zur Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung.

TWI hat die Grundlagen von KVP und des Lean Management geliefert. Die Elemente von TWI sind weitverbreitet, die Wirksamkeit ist unbestritten und dennoch ist TWI als Methode weitgehend unbekannt.

Training within industry TWI – der Hintergrund

Training within industry TWI  ist während des zweiten Weltkriegs in den USA entwickelt und implementiert worden. Die USA standen – wie alle anderen Kriegsnationen auch – vor dem Problem, dass die dringend benötigten Facharbeiter als Soldaten an der Front standen. In der Folge fehlten die zwingend erforderlichen Fachkräfte für die z.T. hochspezialisierten Fertigungsprozesse. Die Qualifikation der vorhandenen Aushilfskräfte war unzureichend um Produkte in der geforderten Qualität und Menge herzustellen.

Die Reaktion des US-amerikanischen Kriegsministeriums darauf war TWI – Training within industry – ein sehr gut strukturiertes, didaktisch sorgfältig durchdachtes und konsequent umgesetztes Trainings- und Ausbildungsprogramm.  TWI ist ein unfangreiches, sehr praxisorientiertes Aus- und Weiterbildungsprogramm mit einfachen, unmissverständlichen Standards um Mitarbeiter – nicht nur zu Facharbeitern – zu qualifizieren.

Während des zweiten Weltkriegs wurden in den USA im Zuge des TWI – Programms mehr als 1,5 Mio. Mitarbeiter in ungezählten Fabriken geschult.

Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurden im Zuge der Aufbauhilfen der USA viele Elemente von TWI in den Industrien Asiens und Europas implementiert.

Produktivitätssteigerung und Qualitätsverbesserung durch TWI

Training within industry  – TWI – hätte nicht die Akzeptanz, Unterstützung und Verbreitung gefunden, wenn die Erfolge durch das strukturierte und reproduzierbare Vorgehen nicht so schnell erreichbar und wirtschaftlich überzeugend gewesen wären. Die Verantwortlichen für das TWI-Programm ließen die Unternehmen die erzielten Verbesserungen dokumentieren, die Werte finden sich in den entsprechenden Reports. Hier einige durchschnittliche Kennzahlen (von ca. 600 Unternehmen) aus dem letzten offiziellen Report 1945:

  • Reduzierung Ausschuss / Nacharbeit -55%
  • Reduzierung Mitarbeiterstunden -88%
  • Produktionssteigerung +86%
  • Reduzierung Reklamatinen -100%
  • Reduzierung Schulungsaufwand -100%

Beeindruckende Zahlen für erzielte Verbesserungen, selbst wenn man berücksichtigt, dass viele dieser Unternehmen kriegsbedingt nur mit angelernten Mitarbeitern arbeiten konnten und daher das Niveau, auf dem die Verbesserungen begonnen wurden, vermutlich nicht so hoch war wie es heute in den meisten Betrieben ist.

Dennoch: Toyota verwendet die Elemente von TWI heute nach wie vor – und das aus gutem Grund! Anfang der 2000er Jahre war Toyota mit massiven Qualtitätsproblemen konfrontiert. Eine Massnahme war, die TWI-Aktivitäten auf dem Shopfloor erheblich zu intensivieren.

TWI als Grundlage des Lean Managements

Nach dem Krieg förderten die USA u.a. den Wiederaufbau Japans massiv. Dazu unterstützen zahlreiche TWI-Trainer japanische Unternehmen. Es ist daher nicht überraschend, dass viele Vorgehensweisen, Werte und Gedanken von TWI mehr oder minder unverändert in das Lean Management  und das Toyota Produktionssystem (TPS) eingeflossen sind.

TWI Methoden – das Ausbildungsprogramm

Das Ausbildungsprogramm von TWI – training within industry – besteht im Wesentlichen aus 3 Trainingseinheiten (auch als  TWI Methoden bezeichnet) sowie einem TWI-Weiterentwicklungsprogramm.

Die Trainingseinheiten von TWI bauen aufeinander auf. Sie zielen zum einen darauf ab, Wissen effizienter zu vermitteln und zum anderen, die Problemlösungs- und Führungskompetenz der Mitarbeiter systematisch zu entwickeln.

Ziel war und ist demnach nicht nur, Arbeitsinhalte effizienter vermitteln zu können, sondern Prozesse kontinuierlich zu verbessern und Trainer und Multiplikatoren auszubilden – ganz im heutigen Sinne von Kaizen.

Top – Down – Implementierung

Interessanterweise wurde schon damals das TWI – Programm “Top Down” – beginnend im Top-Management – über das Mittelmanagement  bis auf die Werker-Ebene im Unternehmen implementiert. Dies ist ein Vorgehen, wie es heute bei allen Lean Management und Six Sigma – Einführungen Standard ist, weil die Rückendeckung durch das Top Management eine notwendige, unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg eines solches Trainings- und Change Management Programm ist.

3 TWI Methoden / Trainingsprogramme

Job Instruction

Job Instruction vermittelt eine didaktisch optimierte Vorgehensweise, um ein Mitarbeiter effizient und an seine Kenntnisse, Fähigkeiten und Bedürfnisse  angepasst durch die Führungskraft oder den Vorarbeiter anzuleiten und einzuarbeiten. Es beinhaltet auch, wie die Erfolgskontrolle durchzuführen ist und wie nachgeschult werden soll.

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Job Relation

Job Relation zielt darauf ab, die Soft Skills der Führungskraft im Hinblick auf den Umgang mit dem Mitarbeiter zu entwickeln. Diese Fähigkeiten sind  insbesondere in kritschen Situationen und bei Problemen sehr wichtig  – frei nach dem Motto: “Wertgeschätzte Mitarbeiter liefern bessere Produkte”. Und: Wertgeschätzte Mitarbeiter kündigen nicht – weder offiziell noch innerlich!

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Job Methods

Job Methods vermittelt ein Vorgehensweise zur systematischen, wiederkehrenden Prozess- und Ablaufoptimierung. Job Methods hat damit eine ähnliche Funktion innerhalb von TWI wie KVP und Kaizen heutzutage im Lean Management.

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weitere Programme von TWI

Es gab noch weitere Ausbildungsprogramme z.B. Union Job Relation oder Program Development, auf die wir hier nicht eingehen.

Personalentwicklung als zentrales Element bei TWI

Job Instruction und Job Relation können als frühe Methoden in der Personalentwicklung verstanden werden. Trotz ihres Alters von inzwischen mehr als 80 Jahren (!) haben diese beiden Methoden nichts von ihrer Aktualität und Wirksamkeit verloren. Dass die Mehrzahl der Personalentwickler diese beiden hochwirksamen Methoden nicht kennen, ist schade.

Weil sich die Anforderungen an einen Mitarbeiter mit seinem Aufstieg in der Unternehmenshierarchie drastisch verändern, verdient die Entwicklung der Führungskompetenz der (zukünftigen) Führungskräfte besondere Aufmerksamkeit.

Die Führungskraft im Fokus

Interessant in TWI ist die sehr deutliche, unmissverständliche Forderung an die erforderlichen Qualifikationen von Führungskräften:

  1. Fachwissen über die Arbeit
  2. Wissen & Bewußtsein der Verantwortung
  3. Didaktische Kompetenz
  4. Problemlösungs- und Verbesserungskompetenz
  5. Führungskompetenz

Die Inhalte in TWI sind alle mehr oder minder darauf gerichtet, diese Kompetenzen zu entwickeln bzw. auszubauen.

“If the learner hasn´t learnt, the teacher hasn´t taught.”

TWI macht den Trainingserfolg in erster Linie, aber nicht ausschließlich, an der didaktischen Kompetenz der Führungskraft bzw. des Trainers fest. Daraus resultiert auch der Fokus, die didaktischen und sozialen Kompetenzen der Führungskraft zu entwickeln.

Die Organisationsform der TWI – Trainings

Die Trainingsprogramme waren als jeweils 1o-stündige Trainings in Form von 2-stündigen Veranstaltungen an 5 aufeinander folgende Tagen konzipiert. Der Grundgedanke in allen Trainings war ein “Learning-by-doing” – viele praktische Übungen mit einem individuellen Coaching des Coachees durch den Trainer und einer Wirksamkeitskontrollen, weil dies den schnellsten und nachhaltigsten Lernerfolg verspricht.

In den ersten beiden Trainingseinheiten wurden den Teilnehmern die Grundlagen der jeweiligen TWI-Vorgehensweise vermittelt. Anschließend war die Aufgabe, die gelernte Vorgehensweise in der Praxis am Arbeitsplatz umzusetzen – z.B. andere Mitarbeiter anzulernen – um in den 3 verbleibenden Sitzungen die Arbeitstechniken zu verbessern im Sinne eines Lessons Learned.

Standards als Basis für den Erfolg von TWI

Standards und “standard work” sind bekannte Begriffe aus dem Lean Management. Sie sind entliehen aus TWI. Hier galt immer die Devise: “Entwickle einen optimierten Standard-Prozess, trainiere andere Mitarbeiter in diesem Standard, so dass sie wiederum weitere Mitarbeiter in diesem Standard ausbilden können.”

Und vor allem: “Weiche nicht vom Standard ab!”  Nur so läßt sich eine erfolgreiche Implementierung im Schnellball-Verfahren sicherstellen. Dies kennzeichnet alle oben dargestellten J-Programme.

TWI Seminar / TWI Schulung und inhouse TWI Training

Lernen Sie die TWI Methoden in unseren offenen TWI Seminare und Trainings oder als inhouse TWI Trainings – individuell auf Ihre Bedürfnisse und Terminpläne abgestimmt – kennen. Erfahrene Trainer und viele Übungen zeichnen unsere Trainings aus. Bitte fragen Sie an. Hier ist Ihr Kontakt zu uns.

TWI Beratung & Consulting

Wir beraten Sie gern zu  TWI und über Lean Management, seine Vorteile und eine Einführung in Ihrem Unternehmen erfahren? Wir trainieren und coachen Ihre Mitarbeiter und Führungskräfte. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage. Hier ist Ihr Kontakt zu uns.

Inhalte der TWI Beratung

  • Einführung und Überblick für Führungskräfte und Mitarbeiter zu TWI Methode
  • Istanalyse vor Ort (Prozess, Qualifikationen, Führungskultur …)
  • Program Development Modul – ein Workshop um TWI-Projektinhalte an die Bedürfnisse Ihres Unternehmens anzupassen
  • TWI Einführungsveranstaltung für alle Mitarbeiter
  • Durchführung von Job Instruction (JIT); Arbeitsunterweisung
  • Durchführung von Job Relations (JRT); Mitarbeiterbeziehungen
  • Durchführung von Job Methods (JMT); Optimierung der Verfahren
  • TWI Coaching und training on the job
  • Ausbildung interner  TWI Trainer und Promotoren
  • begleitendes Coaching der internen Trainer und Führungskräfte


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