Bewertungsverfahren & Bewertungsmethoden


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Alle Bewertungsmethoden und Bewertungsverfahren dienen dazu, Entscheidungen vorzubereiten und nachvollziehbar zu treffen. Hier finden Sie eine Übersicht.

Übersicht Bewertungsverfahren und Bewertungsmethoden

einfache oder intuitive Bewertungsmethoden zur Entscheidungsfindung

einfache oder intuitive Bewertungsmethoden zur Entscheidungsfindung zeichnen sich dadurch aus, das sie sehr schnell sind, weil meist auf die Kriteriendefinition und Beschreibung der Leistungsanforderungen verzichtet wird oder weil einige, wenige Kriterien vordefiniert sind und ohne Anpassung angewendet werden.

  • Handabstimmung
  • Punkte kleben
  • Ja / Nein – Lautstärke -Votum
  • ABC-Analyse
  • Pareto-Regel / 80-20-Regel

strukturierende Bewertungsmethoden zur Entscheidungsfindung

  • Nutzwertanalyse … mehr …
  • Decision Analysis nach Kepner TregoeTM  … mehr …
  • Paarweiser Vergleich
  • Entscheidungsmatrix … mehr …
  • Analytical Hierarchy Process (AHP, T.Saatchi)

Vorgehensweise zur Entscheidungsfindung

Die Vorgehensweise aller Bewertungsmethoden und Bewertungsverfahren zur Entscheidungsfindung ist prinzipiell sehr ähnlich, denn sie haben ein gemeinsames Ziel: Eine Entscheidung sicher, begründet und nachvollziehbar treffen zu können.
Bewertungsmethoden sind deshalb in allen Methodensammlungen wie Wertanalyse, Six Sigma und Lean unverzichtbar.

Unabhängig davon, ob es sich um eine spontane, intuitiv getroffene Einzelentscheidung oder um eine Gruppenentscheidung als Ergebnis eines mehrstufigen Entscheidungsfindungsprozesses handelt, wird folgende Schrittfolge meist unbewußt durchlaufen:

Schrittfolge zur Entscheidungsfindung

  1. Ziel festlegen
  2. Alternativen ermitteln
  3. Bewertungskriterien ermitteln
  4. Bewertungsstufen festlegen
  5. Leistungsanforderungen festlegen
  6. Bewertungskriterien gewichten
  7. Bewertung durchführen
  8. Plausibilität prüfen
  9. Risiken betrachten
  10. Entscheiden

Schwierigkeiten mit Entscheidungsfindung

Eine Entscheidung fällt dann einstimmig aus, wenn Übereinstimmung bezüglich Entscheidungskriterien und Leistungsanforderungen besteht. Vielfach besteht diese nicht und den Betroffenen ist dies auch nicht bewußt. Zeitverlust und Fehlentscheidungen sind die unausweichliche Folge.

Schwierigkeiten in Entscheidungsprozessen von Gruppen treten ebenso auf, wenn o.a. Schrittfolge nicht eingehalten wird oder sich Kriterien, Gewichtung und Leistungsanforderungen individuell von Gruppenmitglied zu Gruppenmitglied unterscheiden ohne dass dies offen diskutiert und dokumentiert wurde. Entscheidungen unter Zeitdruck verhindern häufig diese Diskussionen.

verbale und numerische Bewertungsskala / Likert – Scale

Alle Bewertungsverfahren benötigen neben den Entscheidungskriterien eine Bewertungsskala. Diese kann qualitativ – verbal oder numerisch sein. Die Übersetzung der qualitativ- verbalen Bewertungsskala in eine numerische Bewertungsskala leistet die Likert-Scale. Mehr Informationen finden Sie hier.

Fragenkataloge für Bewertungskategorien z.B. internes Audit

Häufig werden Entscheidungen auf Basis von Kategorien getroffen. Als Kategorieren verstehen wir hier mehrere, ähnliche Kriterien, deren Erfüllung zur Erfüllung der Kategorie beiträgt. Um dies in der Praxis handhabbar zu gestalten, wird häufig mit Checklisten und Fragekatalogen gearbeitet, bei denen jede Frage einer Kategorie zugeordnet ist. Als ein Beispiel möchten wir hier z.B. die Checklisten für ein internes Audit oder auch die Kategorien des ” Rapid Plant Assessment ” (RPA) nennen.

Biases – unbewußte, subjektive kognitive Verzerrungen bei der Entscheidungsfindung

Jede Entscheidung ist subjektiv, auch wenn vorher alle relevanten Entscheidungskriterien diskutiert und festgelegt wurden. Dies ist so, weil jede Kriterienfestlegung trotzdem einen gewissen Spielraum läßt. Ist das Glas halbleer oder ist es halbvoll?

Je nach persönlicher Stimmungslage und -situation kann sich das Ergebnis einer Abstimmung signifikant verändern. Verantwortlich dafür sind gruppendynamische Prozesse ebenso wie Gesundheitszustand, Wohlbefinden, Mentalität und Konfliktfähigkeit der Entscheider.

Als weitere Ursachen werden vielfach genannt:

  • overconfidence
  • selektive Wahrnehmung
  • “Ober sticht unter”
  • hidden goals
  • statistische Fehleinschätzungen

Debiasing – Fehlentscheidungen vermeiden

Als Debiasing werden Techniken bezeichnet, die dazu dienen die situativ-abhängigen subjektiven Stimmungslagen zu kompensieren. Dies sind z.B.

  • Teufel´s Advokat
  • Junior first
  • Just the opposite

Bei der Entscheidungstechnik “Teufel´s Advokat” werden ein oder mehrere Gruppenmitglieder beauftragt, alle Risiken, Schwachstellen und Kritikpunkte, die gegen die zu treffende Entscheidung sprechen, zusammenzutragen und argumentativ gegenüber der Gruppe zu vertreten.

“Junior First” ist eine Diskussionstechnik, bei der das jüngste bzw. unerfahrenste Gruppenmitglied als Erster das Wort in der Gruppendiskussion erhält. Dies soll einem Biasing der Entscheidung durch starke Diskussionsteilnehmer vermeiden helfen.

“Just the opposite” ist eine Technik des Risikomanagements, bei der das Gegenteil der zu treffenden Entscheidung angenommen wird. Im Folgeschritt werden die Vor- und Nachteile, Auswirkungen und Risiken herausgearbeitet und bewertet.

“Ich kann mich nicht entscheiden” … ist eine Entscheidung

Trotz aller Entscheidungsvorbereitung, Diskussion, Kriterienentwicklung und Methodenkompetenz geschieht es immer wieder, dass Menschen im Privaten oder im beruflichen Umfeld einzelne Teammitglieder oder auch Manager “sich nicht entscheiden können.”

Faktisch ist dies eine Entscheidung: Nämlich abzuwarten, den Status Quo beizubehalten und den Sachverhalt zu einem späteren Zeitpunkt erneut zur “Positiven” Entscheidung zu bringen. Ursache für dieses Verhalten sind häufig Loyalitätskonflikte gegenüber zwei gleichwertgeschätzen Interessen oder Interessengruppen.

Bewertungsmethoden zur Entscheidungsfindung – eine Empfehlung

Wir verwenden abhängig von der jeweiligen Situation unterschiedliche Verfahren zur Entscheidungsfindung aus unterschiedlichen Gründen

einfache und intuitive Bewertungsmethoden zur Entscheidungsfindung

… haben Vorteile, wenn es schnell gehen muss und im Falle einer Fehlentscheidung die Konsequenzen gering sind. Ebenso, wenn sich die Entscheidung kostenfrei und einfach korrigieren läßt.

Für kritische oder unternehmensrelevante Entscheidungen empfehlen wir die stärker strukturierenden Methoden (s.u.)  gegenüber der intuitiven, spontanen ad-hoc – Entscheidung aus folgenden Gründen:

  • Spontan getroffene Einzel- oder auch Gruppenentscheidungen benötigen kaum Zeit, weil Alternativen, Bewertungskriterien und Gewichtung meist nur sehr kurz diskutiert werden.
  • Spontane Entscheidungen unterliegen häufig der aktuellen Stimmungslage. Stimmung und Motivationsgründe für die getroffene Entscheidung lassen sich später nur schwierig nachvollziehen.
  • Ein Lerneffekt bei sontan getroffenen Entscheidungen ist selten erkennbar – außer die späte Erkenntnis, dass man vielleicht doch mehr Zeit auf die Entscheidungsvorbereitung hätte verwenden sollen.

“strukturierende” Bewertungsmethoden zur Entscheidungsfindung

Mehrfache Diskussion der Alternativen, Kriterien, Erfüllungsgrade und Gewichte in interdisziplinären Teams, Vervollständigung und Validierung der verfügbaren Informationen sowie Rückkopplungsschleifen sind typisch für stark strukturierende Verfahren zur Entscheidungsfindung.

Strukturierende Bewertungsmethoden finden typischerweise Anwendung in der Produktentwicklung, zur Lieferantenbewertung, bei Investitionsentscheidungen oder zur Unternehmensbewertung.

  • Die offene Diskussion über Alternativen und Beurteilungskriterien und der Zwang zur differenzierenden Beurteilung macht Wissenslücken oder unzureichend berücksichtigte Aspekte schnell offensichtlich.
  • Diese Vorgehensweisen benötigen mehr Zeit als die spontanen, intuitiven Verfahren.
  • Die Ergebnisse sind unabhängiger von aktuellen Stimmungslagen, umfassender begründet und nachvollziehbar dokumentiert.
  • Die Durchführung eines Reviews oder “Lessons learned” sind häufig integraler Bestandteil der Methodiken und Basis für zukünftige Entscheidungsprozesse.
  • Nutzwertanalyse / bewertete Entscheidungsmatrix und AHP (analytical hierarchy process) sind Beispiele für diese Verfahren.

Beratung Produktentwicklung und Qualitätsmanagement

Wir helfen Ihnen in der Produktentwicklung, Ihre vielsprechendsten Produktkonzepte zu identifizieren und weiterzuentwickeln. Wir unterstützen Sie im Qualitätsmanagement bei der Prozessstabilisierung Ihrer Lieferanten und der Lieferantenbewertung. Wir schulen Sie und Ihre Mitarbeiter in den beschriebenen Methoden.

Sie stehen vor einer schwierigen unternehmerischen Entscheidung? Vielleicht einer Entscheidung mit gravierenden Folgen im Falle einer Fehlentscheidung? Wir können helfen. Bitte fragen Sie an.

 

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